
Die von mir erlebten Freundschaftsspiele des FC Schalke 04 auf eigener Anlage haben seit jeher einen etwas skurrilen Charakter. Im Februar 1996 fiel der Rückrunden-Auftakt gegen den 1.FC Köln wiederholt den schlechten Platzverhältnissen im Parkstadion zum Opfer. Als Ausgleich kickten die Jungs von Jörg Berger auf dem damals noch vorhandenen Ascheplatz auf dem Berger Feld gegen den Zweitligisten Wuppertaler SV. Spielzeit 3 x 30 Minuten, der WSV in voller Montur, Schalkes Profis lediglich in Trainingsanzügen. An diesem kalten, klaren Wintertag fanden sich geschätzte 100 Zuschauer ein, um diesem Schauspiel beizuwohnen. Das Ergebnis weiß ich nicht mehr, aber vor dem Hintergrund der heutigen Gegebenheiten mutet das Ereignis wie ein erdichtetes Phantasiespiel an.

Fünf Jahre später, im Januar 2001 war der Rahmen schon etwas größer. Unter der Woche, Kerstin hatte einige Tage zuvor entbunden und weilte noch mit Nico im Krankenhaus, traf der S04 an einem arschkalten, Ostwind-geprägten Abend bei -10 °C im Parkstadion auf Borussia Mönchengladbach, zu dieser Zeit in Liga 2 beheimatet. Ich erinnere mich noch daran, dass neben zwei Blöcken in der Nordkurve und einem in der Südkurve lediglich der Unterrang der Haupttribüne geöffnet wurde, statt Veltins wurden Glühwein und Kakao verkauft. Da ein Platz in der Nordkurve bei diesem Green Bay-Gedächtniswetter schier unmenschlich erschien, entschieden meine Kollegen und ich uns für Haupttribünenkarten zum unfassbaren Preis von 20 DM. Am Ende siegte Schalke in der Ice-Bowl mit 2:1 vor gerade mal 3.000 Unentwegten. Totschlag-Argument in jeder Modefan-Diskussion dürfte seitdem die Frage “Wo warst Du gegen Gladbach?” sein.
Heute also wieder so ein seltsames Spiel. Kurzfristig anberaumt als quasi-Trainingskick zwischen den B respektive C-Teams Schalkes und des 1. FC Köln. Das ganze in der Arena zu freiem Eintritt, was wiederum unglaubliche 16.000 Besucher aus der Ferienlethargie holte (und damit 4.000 mehr als zu Bochums Zweitligaspiel gegen 1860 am Abend zuvor). Plante Schalke zunächst nur die Öffnung des Unterranges der Gegengerade, so öffnete man angesichts der strömenden Massen kurzfristig auch noch den Gegengeraden-Oberrang als auch weite Teile der Nordkurve. Ich fand mich damit erstmals in den luftigen Höhen des Oberrangs der Nordkurve wieder. Zwar im kalten Wind sitzend, dafür aber mit weitaus besserer Übersicht auf die taktische Formation ausgestattet als auf dem angestammten Stehplatz.
Inhaltlich darf man das Spiel selbstredend nicht allzu hoch bewerten. Felix Magath mag seine Erkenntnisse gewonnen haben (Köln reiste konsequenterweise auch gleich ohne Cheftrainer Soldo an). Pliatsikas gab sein Comeback nach monatelanger Verletzungspause und machte nicht nur beim von ihm verschuldeten 0:1 eine unglückliche Figur. Baumjohann und Escudero waren in meinen Augen Totalausfälle, während sich Uchida sehr bemüht zeigte, Kluge weitgehend überzeugte und Schmitz in der 2. Halbzeit auf der Linksverteidiger-Position eine starke Vorstellung ablieferte. Der zum zweiten Durchgang erstmals eingewechselte Fahrenhorst definierte seine IV-Position in allerbester Manndeckermanier und agierte sicher und abgeklärt. Nicht auszuschließen, dass Magath in am Samstag gegen 96 als Höwedes-Vertreter aus dem Hut zieht, so kurios dies im ersten Moment anmuten mag.
Davon ab präsentierte sich aber auch an diesem Tag die Abwehr wieder sehr wackelig. Erschreckend, wie schnell sie beim 2:0 von Freis überrumpelt wurde. Im Spielaufbau gab es zarte positive Ansätze, zumeist wurden diese jedoch durch eine erstaunlich hohe Anzahl an unpräzisen Pässen und Flanken zunichte gemacht. Da infolge dessen offensiv mit Ausnahme einer Druckperiode zu Beginn der 2. Halbzeit wenig zusammenlief, gewann der konterstarke kölsche FC mit vielen Unbekannten verdient mit 2:1.